Das Problem sind nicht die Männer

Der ein oder andere Kommentar zu meinem letzten Post laute „du hast Recht aber so schlecht sind die Männer ja auch nicht“. Das hat mich nachdenklich gemacht. Kommen die Männer so schlecht weg? Und das obwohl ich doch den wundervollsten Mann der Welt habe? Mein Mann ist toll. Er wird ein großartiger Vater und ist bereits ein großartiger Partner.

Ich halte nichts von Genderklischees. Mein Mann kann besser putzen und aufräumen als ich. Er ist derjenige der den Reiseproviant packt und immer Taschentücher dabei hat. Es gibt nichts, was ich deswegen besser kann, weil ich eine Frau bin. Fast nichts. Das Gebären und Stillen bleibt Frauensache. Ich finde das schön. Ich freue mich darauf.

Die Männer sind nicht das Problem. Die Frauen sind nicht das Problem. Unsere Gesetze sind nicht das Problem. Unsere Gesetze machen keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen.

Es gibt sie noch, die Ungleichbehandlungen zwischen Männern und Frauen. In manchen Köpfen stecken noch Vorurteile. Manchmal ist das lästig, im Ganzen aber doch unproblematisch. In meinem Abiturjahrgang waren 60% Mädchen. Ich habe danach ein technisches Studium begonnen. Der Anteil an Frauen in diesem Studiengang nähert sich der 50% Marke. Mein Geschlecht hat weder meine Schulnoten, noch meine Uninoten beeinflusst. Auch bei der Jobsuche hatte ich nie das Gefühl, man hielte mich aufgrund meines Geschlechtes für weniger fähig.

Die Angst der meisten Arbeitgeber ist nicht, eine Frau könnte weniger fähig sein. Die Angst ist, sie könnte schwanger werden. Das Problem dabei ist – die Angst ist begründet. Frauen werden schwanger. Frauen gehen in Mutterschutz, sie gehen in Elternzeit, sie wollen Teilzeitarbeitsplätze, Telearbeit und flexible Arbeitszeiten. Arbeitgeber haben keine Angst davor Frauen einzustellen, sie haben Angst keinen voll einsatzfähigen Mitarbeiter mehr zu haben.

Eine Frau einzustellen ist noch immer ein nicht kalkulierbares Risiko. Schwangerschaft, Mutterschutz, Elternzeit. Das stellt den Arbeitgeber vor Probleme. Es hilft nichts zu behaupten, es gäbe diese Probleme nicht. Wenn es einer Firma nichts ausmacht, ob der Mitarbeiter ein Jahr lang fehlt oder zwei oder drei oder nicht, läuft irgendwas falsch. Viele Probleme sind lösbar. Wer sich als Arbeitgeber etwas einfallen lässt wird nicht selten mit treuen und zufriedenen Mitarbeitern belohnt die hocheffizient arbeiten und in Teilzeit mehr schaffen als andere in Vollzeit. Nicht wenige Arbeitgeber arbeiten an genau solchen Lösungen. Viele Arbeitgeber sind selbst Eltern. Sie kennen das Problem.

Sie würden gerne mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen. Das Problem ist die vom Arbeitgeber geforderte selbstverständliche Vollzeitarbeit. Irgendwann kommt man an den Punkt wo sich die meisten entscheiden müssen. Zeit für die Familie oder Karriere? Zeit oder Geld? Aber von Zeit kann man sich leider kein Essen kaufen. Was bleibt ist die Einsicht, dass sich einer fürs Geld und einer für die Zeit entscheiden sollte. Wer das ist, ist völlig egal. Ein Hausmann hat die gleichen Probleme. Es hilft uns nicht, die Männer verantwortlich zu machen. Ein Mann der in seinem Lebenslauf 3 Jahre Elternzeit stehen hat, steht nicht besser da als eine Frau.

Ich habe sie noch nicht gefunden, die perfekte Lösung. Aber ich glaube die einzige Lösung ist Flexibilität. Flexibilität für alle Mitarbeiter. Wer hat eigentlich die 40 Stunden Woche erfunden? Warum können es nicht 30 sein oder 50? Warum können große Aufgaben von vielen Leuten gemeinsam gelöst werden aber nur indem jeder 40 Stunden arbeitet? Warum muss eine Person 8  Stunden am Tag erreichbar sein? Warum nicht 24?

Die Welt dreht sich immer weiter. 24 Stunden Erreichbarkeit wird immer üblicher. Wir werden immer weniger Menschen und gleichzeitig wollen wir dass alles immer verfügbar ist. Jetzt. Sofort.

Unternehmen die es schaffen flexible Arbeitsplätze zu bieten, attraktiv für Mütter, für ältere Leute, für nicht so belastbare Leute, für Leute die nicht den ganzen Tag arbeiten wollen, für kreative Köpfe und alte Hasen, solche Unternehmen können viel leichter auf Auftragsspitzen reagieren, Ausfälle verkraften und binden unglaublich viel Know How.

Aber das erfordert Umdenken. Umdenken von einer ganzen Struktur die sich bewährt hat.

Wir sind auf unseren Projekten immer zu zweit. In Vollzeit. Zur gegenseitigen Kontrolle, zum Meinungsaustausch. Zur Abstimmung. Die Idee die Projekte zu dritt zu machen, zwei Leute in Teilzeit, eine in Vollzeit, wurde abgelehnt. Man müsste sich zu viel abstimmen und drei Leute wären ja ständig unterschiedlicher Meinung.