Bähm – aus!

Hier ist lange nichts passiert. Warum eigentlich nicht? Ich wollte gerne immer mal bloggen. Ich wollte euch erzählen, dass wir geheiratet haben. Mein Traummann und ich. Dass wir den wundervollsten Tag unseres Lebens hatten. Ich wollte berichten vom Kinderbasteln und wie aufregend und wundervoll das alles ist und wie gespannt ich bin und wie nervös. Hui…. Mutti werden. Ich? Echt? Wie cool ist das. Ich wollte euch teil haben lassen an meinem kleinen perfekten Leben. Verheiratet mit dem tollsten Kerl, cooler Job und nettes Haus und bald tolle Babys. Dazu ein paar selbstgenähte Sachen und schicke Blümchen. So gehört sich das doch, oder?

Während ich meine wunderschönen Fotos aus 2015 in mein farblich abgestimmtes Fotoalbum klebte und mich in meinem Glück suhlte… Was für eine tolle Hochzeit, was für tolle Freunde, schau wie schön es im Urlaub war… Während ich so da saß kam mein Mann unerwartet früh nach hause. Wir müssten reden. Hä?

Er hat festgestellt, dass er unglücklich ist. Unglücklich mit mir. Er möchte mit dem Kind warten. Erstmal unsere Beziehung angehen. Bähm! What? Unsere wundervolle und traumhafte frischvermählte Beziehung? Mein Mann? Und unser Kinderwunsch? Ich war geradezu fassungslos. Aber gut, gehen wirs an. Es hetzt uns ja eigentlich keiner. Das alles war Weihnachten. Ich freute mich auf unsere Hochzeitsreise im Januar und dachte, die gemeinsame Zeit hilft sicher. War ja schon stressig die letzten Monate. Vielleicht haben wir uns ein bisschen verloren. Aber das wird schon wieder, wir lieben uns ja sehr, alles passt, alles gut.

Mein Kopf sagte, alles kein großes Thema. Mein Gefühl sagte, scheiße.

Mein Gefühl hatte Recht. Anfang des Jahres kam mein Mann nach Hause. Er möchte die Scheidung. Er sieht keine Zukunft. Er will nicht unglücklich sein. Die Hochzeitsreise könnten wir noch zusammen machen aber die Trennung sei klar für ihn.

Ich war vollkommen fassungslos. Ratlos. Hilflos. Wir hatten doch gerade geschworen für immer zusammen zu sein. Wir hatten doch so ein perfektes Leben?

Das Ganze ist noch keine zwei Wochen her. Mein Mann macht unsere Hochzeitsreise alleine und ist damit ganz zufrieden. Ich sitze zuhause und schwappe immer hin und her. Fassungslosigkeit, Trauer, Verzweiflung, Wut, Neugierde auf die Zukunft, Angst, Hoffnung.

Alle Menschen in unserem Umfeld sind vollkommen erschrocken. Ihr? trennt? euch? Ihr???

Ich stehe derweil relativ staunend da. Staunend über mich selber. Was passiert da mit mir? Wie geht das mit diesen Gefühlen. Manchmal habe ich das Gefühl augenblicklich zu platzen, weil kein Mensch so viel Trauer ertragen kann. Dann denke ich, dass das nicht sein kann. Das geht doch nicht einfach so? Kann der einfach so für sich beschließen, dass es das jetzt war? Was ist denn mit unserem gemeinsamen Leben. Und überhaupt? Ich? Mit 27 geschieden? Single? Hä?

Ich hatte mich so schön in meinem Familienplanleben eingerichtet. Ich kann doch nun nicht einfach Single sein? Was mach ich denn dann?

Und während ich das Gefühl habe von „ich kann das nicht, ich will das nicht, ich werde nie wieder glücklich, mein Leben ist ruiniert, meine ganze perfekte Vorstellung ist weg, meine Träume zerplatzt, alles ist vorbei“ erschlagen zu werden ist dort auch etwas anderes.

Etwas ganz kleines und unscheinbares. Neugierde? Ich kann es schwer beschreiben. Aber dort ist das Gefühl, dass ich etwas ganz neues lernen werde. Etwas Neues über mich. Etwas Neues über das Leben. Ich habe das Gefühl, dass es mich nach vorne bringt. Dass ich das überwinden kann und frei werde.

Frei von einem Bilderbuchleben. Frei von dem Wunsch danach dieses wunderschöne Pinterest Familiending zu machen. Ich will Kinder. Viele. Ich will lieben, geliebt werden. Aber nun, wo das Standardmodell gescheitert ist… Nun scheint alles möglich. Aufregend irgendwie. Aber auch unglaublich traurig. Hin und her werfend.

 

 

 

 

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