Die Liebe zur Heimat

Ich bin Hamburgerin, Norddeutsche, Windkind, Regenkind.

Hamburg ist meine große Liebe, meine Heimat, mein Zuhause. Der Platz an dem mein Herz ist. Immer wenn ich Hamburg verlasse, bekomme ich Heimweh. Ich liebe das Reisen aber es ist jedes mal eine schwere Trennung und ein wundervolles Wiedersehen.

Den März über habe ich Hamburg verlassen. Das ist keine ganz so schlechte Idee, denn so sehr ich Hamburg auch liebe – Hamburg im März… Das fällt unter die Kategorie „Jeder hat so seine Schwächen“. März kann meine Stadt nicht so gut. Perfekt also, um den März woanders zu verbringen.

Neuseeland war die Wahl. Sonne, Strand, Meer, Gletscher, Regenwald, Wale, Delfine, Hobbits, dampfende Quellen und magische Höhlen. Ein wunderschöner Ort.

Wer alleine mit dem Rucksack durch Neuseeland reist, der kommt nicht umhin täglich neue Leute zu treffen. Jeden Tag stellt und beantwortet man die gleiche Frage „Where are you from?“.

Germany. Hamburg. Natürlich. Die Stadt mit dem ganzen Regen? Wie erklärt man Menschen seine Heimat? Ich habe versucht mein Hamburg zu malen.

„Wenn du von Hamburg erzählst, dann möchte man entweder nach Hamburg ziehen oder Hamburg sein und einmal so geliebt werden.“

Die Stadt mit dem Regen? Ja. Nein. Hamburg… Das ist natürlich der Hafen, die Elbe, die Alster, der Stadtpark, der alte Elbtunnel, die Landungsbrücken, die Hafencity… Aber was ist das alles ohne die Gefühle die darin wohnen?

Hamburg ist das Hafenpanorama wenn man aus dem Elbtunnel kommt. Der Moment in dem man aus der engen Röhre mit den beigen Kacheln heraus kommt und einen der Hafen empfängt. Der Hafen, der für Freiheit steht, für Abenteuer und unbegrenzte Möglichkeit. Und für Ankommen. Wenn es dunkel ist und der Hafen leuchtet… Auch mit bald 30 Jahren treibt es mir regelmäßig die Tränen in die Augen.

Die Elbe ist nicht einfach nur ein Fluss. Die Elbe ist der Ort an dem man Nussschalen und Papierboote schwimmen lässt. Der Ort für nasse Hosen zu unpassenden Zeitpunkten. Der Ort für dreckige Schlammschlachten. Die Elbe ist der Ort an dem ich meinen ersten Freund kennen gelernt habe. Die Elbe ist Sommer, Sonnenschein, ein Bier auf dem Steg, die Füße im Wasser. Unbegrenztes Glück im Herzen. Die Elbe ist Leichtigkeit. Und Lachen. Intensive Küsse und wilde Träume.

Und sie ist Traurigkeit und Sehnsucht. Sie transportiert meine Tränen. Sie ist der Ort der meine Wünsche kennt. Meine Enttäuschungen. Meine Ängste, meine Verletzungen, meine Tränen. Sie weiß alles von mir. Es ist als wäre ein Teil meiner Seele in ihr verschwommen. Von dem Wasser und dem Wind weggetragen. Aufgelöst. Verdünnt. in die Welt getragen.

Hamburg ist Millionen Orte. Es ist der Baum auf dem ich als Kind gespielt habe. Es ist die billige Bar aufm Kiez in der ich das erste mal wirklich betrunken war. Es ist die kleine Seitenstraße in der mein Roller kaputt ging. Es sind die Häuser in denen Menschen wohnen die mir wichtig sind. Hamburg ist der Ampelmast an dem ich mir das Knie aufgeschlagen habe.

Hamburg ist, wenn dir der Wind den Regen ins Gesicht peitscht. Wenn du einfach draußen sitzt und einmal durchgepustet wirst. Es ist als würde das Wetter dich erneuern. All deine Tränen in sich aufnehmen und alles aus dir hinaus pusten und waschen. Kein Mensch kann noch traurig sein, wenn er einmal vom Hamburger Wetter rein gewaschen wurde.

Hamburg ist, wenn plötzlich und völlig unerwartet die Sonne durch die Wolken bricht und die ganze Stadt in ein wunderschönes Licht taucht. Ein Licht, was es nur gibt, wenn es vorher grau und nass war.

Hamburg ist, wenn der graue Nieselregen dich wieder auf den Boden der Tatsachen holt.

Aber das, was einen Ort zu einer Heimat macht sind die Menschen. Hamburg ist, wenn dir jemand „moin“ und „Jo“ sacht und du weißt, dass ihr auf einer Wellenlänge seid und gemeinsam die Ärmel hochkrempelt.

Hamburg ist meine große Liebe. Der Ort der meine Seele kennt und an den ich immer zurück kehren muss. Der Ort an dem ich sterben will.

Seine Heimat zu verlieren ist, wie ein Teil von sich zu verlieren.

 

Dat gift in´n Plattdütschen keen Woort für „Flüchtlinge“. Dat sühn halt alles Lütte, Olle, Froons, Mans, Kinners… So as du.

 

 

 

 

 

 

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